Schritt für Schritt in eine klimafreundliche Zukunft

Worum es geht

Die KVA in Weinfelden verwertet seit 24 Jahren die Abfälle des Thurgaus und des benachbarten Auslands – Tag für Tag, rund um die Uhr. KVA müssen nach 35 bis 40 Jahren umfassend erneuert werden. Der Verband KVA Thurgau hat deshalb frühzeitig begonnen, den Ersatz der Anlage in Weinfelden zu planen. Dabei soll auch die Versorgung der regionalen Wirtschaft mit klimafreundlicher Energie ausgebaut werden. Gegenwärtig wird ein Vorprojekt erarbeitet. Es liefert die Grundlage für den Kreditentscheid, den die Verbandsgemeinden voraussichtlich im ersten Halbjahr 2023 fällen werden.

Ersatzbau oder Erneuerung der bestehenden Anlage?

In einem ersten Schritt haben sich die Verantwortlichen mit der Frage beschäftigt, ob die heutige KVA erneuert oder direkt daneben ein Ersatzbau erstellt werden soll. Beim Abwägen aller Vor- und Nachteile hat ein Ersatzbau deutlich besser abgeschnitten. Erstens wäre eine Erneuerung im laufenden Betrieb komplizierter, zeitraubender und teurer. Zweitens liesse sich ein Ausbau der Anlage zu einer regionalen Energiezentrale – einem «Energiehub» – mit den bestehenden Strukturen nur schwierig realisieren.

Nutzung des direkt angrenzenden Areals

Der Ersatzbau soll direkt neben der heutigen KVA erstellt werden. Das Areal hat zahlreiche Vorteile: Es gehört dem Verband, seine Nutzung zur Abfallverwertung ist zonenkonform, es ist durch den eigenen Bahnanschluss ideal erreichbar und liegt in der Nähe von industriellen Wärmeabnehmern. Nach Inbetriebnahme des Ersatzbaus soll die heutige Anlage zumindest teilweise zurückgebaut werden. Das bietet die Chance, auf den frei werdenden Flächen alternative Nutzungen zu realisieren. 

Nächste Etappe: Architektur

Ein zentrales Element des Vorprojekts ist die Architektur der Ersatz-KVA und die Gestaltung ihrer Umgebung. Das Bauwerk wird imposant, die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit ist entsprechend gross. Der Verband KVA Thurgau ist sich dessen bewusst. Er hat sich deshalb entschieden, dazu einen Studienauftrag durchzuführen: Verschiedene Teams aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen und Landschaftsarchitektur erarbeiten Vorschläge. Sie stehen dabei im engen Dialog mit einer hochkarätig besetzten Jury, welche am Ende das Siegerprojekt auswählt. Mit der öffentlichen Ausschreibung hat die KVA den Studienauftrag am 30. April 2021 offiziell lanciert. In einem ersten Schritt wird die Jury bis im Juni 2021 voraussichtlich vier Teams auswählen, welche am Studienauftrag teilnehmen können.

Vernetzung und Vergrösserung der Naturflächen

Dort, wo der Ersatzbau geplant ist, befinden sich heute Biotope, in denen Amphibien laichen. Als Ersatz sollen südlich der KVA zwei insgesamt mehr als doppelt so grosse Flächen mit hochwertigen Lebensräumen geschaffen werden, welche die weiteren Naturflächen in der Umgebung der KVA verbinden. Die KVA hat dazu zusammen mit Spezialisten der «Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz» (karch) ein Konzept entwickelt. Das Ziel: Den Lebensraum für bedrohte Amphibienarten gleichzeitig vergrössern, vernetzen und aufwerten. Die KVA hat im März die Bewilligung für den Bau der Ersatzfläche Teil Nord erhalten. Die Bauarbeiten beginnen Anfang Mai 2021.

Anlagekapazität konkretisiert sich

Ein wichtiger Faktor bei der Planung der Ersatzanlage ist deren Kapazität: Welche Abfallmengen muss die neue KVA im Referenzjahr 2050 bewältigen können? Dabei spielen drei Elemente eine Rolle: Die Abfallmengen aus dem Thurgau, die notwendigen Reserven sowie die Abfälle aus dem Raum Konstanz. Die KVA rechnet damit, dass die neue Anlage 2050 eine Gesamtmenge von 224'000 Tonnen pro Jahr verwerten können muss – rund anderthalbmal so viel wie die KVA heute.

Vergleichbare Abfallmengen aus dem benachbarten Ausland

Abgesehen von der eingerechneten Bevölkerungszunahme und dem Wirtschaftswachstum im Raum Konstanz wurden keine zusätzlichen Abfallströme aus dem Ausland eingerechnet. Der Regierungsrat des Kantons Thurgau steht den Kapazitätsberechnungen der KVA grundsätzlich positiv gegenüber und befürwortet eine Weiterführung der Partnerschaft mit der Abfallwirtschaftsgesellschaft der Landkreise Bodenseekreis und Konstanz (ABK) ausdrücklich. Auch der Bund spricht sich für den Import von grenznahem Kehricht aus, wenn damit Transportwege möglichst kurz gehalten werden können – der Klimawandel kennt bekanntlich keine Landesgrenzen.

Die nächsten Schritte

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der KVA haben ihre Pläne in den vergangenen Monaten verschiedenen Anspruchsgruppen vorgestellt. Dabei hat sich gezeigt, dass die Stossrichtung des Projekts von allen Seiten begrüsst und unterstützt wird. In den nächsten Schritten wird nun in einem technischen Vorprojekt das «Innenleben» der Anlage geplant. Schätzungsweise Ende 2022 wird ein Vorprojekt auf dem Tisch liegen – die Grundlage für den Projektkredit, über den die Verbandsgemeinden voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022/23 abstimmen werden.

Aktuelle News

Hier finden Sie regelmässig Neuigkeiten rund um die Zukunft der Anlage in Weinfelden.

Vorprojekt Ersatz KVA Weinfelden: Startschuss für zwei wichtige Etappen

Mit dem Beginn der Bauarbeiten für ein neues Amphibienschutzgebiet im Süden der KVA Weinfelden und der öffentlichen Ausschreibung des Studienauftrags Architektur nimmt das Vorprojekt für den Ersatzbau der KVA Fahrt auf. Die Jury, welche den Studienauftrag begleiten wird, ist mit ausgewiesenen Fachexperten, politischen Vertretern der Region und Mitgliedern aus Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der KVA hochkarätig besetzt. Zentrales Element des Studienauftrags ist der Dialog mit den teilnehmenden Teams, der Öffentlichkeit und den Mitarbeitenden der KVA.

Medienmitteilung vom 30. April 2021

Ersatz KVA Weinfelden: Grünes Licht für nächste Schritte

10. Dezember 2020

Die Delegierten des Verbands KVA Thurgau liessen sich am 9. Dezember an ihrer ordentlichen Versammlung über den aktuellen Planungsstand für den Ersatz der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Weinfelden informieren. Im Fokus standen Optionen der künftigen Energienutzung und -verteilung, das bevorstehende Architekturstudienverfahren und die Kapazität der Ersatzanlage. Die Delegierten haben das Budget 2021 inkl. den Investitionen für die weitere Projektentwicklung des Ersatzbaus einstimmig angenommen.

Medienmitteilung vom 10. Dezember 2020

Eine Energiezentrale für den Thurgau

10. Dezember 2020

Beim Ersatz der KVA Weinfelden wird die Produktion von klimafreundlicher Energie deutlich ausgebaut. Sie soll mit einer Fernwärmeleitung bis nach Bischofszell transportiert werden. Moderne KVA sind flexible und intelligente Energiezentralen: Sie können nach Bedarf Wärme, Dampf und Strom produzieren – und sogar Wasserstoff oder Erdgas erzeugen.

Augenblick-Artikel Dezember 2020

EINE INVESTITION FÜR KLIMA UND REGION

2. Juli 2020

Die Verantwortlichen des Verbandes wollen die KVA Weinfelden durch einen Ersatzbau am selben Standort ersetzen. Die Lieferung klimafreundlicher Energie an die regionale Wirtschaft soll ausgebaut werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten finden Sie hier im Interview mit Peter Steiner.

Augenblick-Artikel Juli 2020

Erste Weichen für die Zukunft der KVA gestellt

2. Juli 2020

Der Verband KVA Thurgau plant den Ersatz der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Weinfelden. Die Lieferung klimafreundlicher Energie an die regionale Wirtschaft soll ausgebaut werden. Nach einem umfassenden Evaluationsprozess kommen die Verantwortlichen zum Schluss, dass ein Ersatzbau südlich der heutigen Anlage deren Erneuerung vorzuziehen ist. Die Pläne werden nun verschiedenen Anspruchsgruppen vorgestellt. Die Kapazität der künftigen Anlage wird erst in einem späteren Planungsschritt festgelegt.

Medienmitteilung vom 2. Juli 2020

Der Verband KVA Thurgau plant für die Zukunft

10. Januar 2020

Die KVA ist der grösste Energieproduzent im Kanton Thurgau. Sie erzeugt CO₂-neutrale Wärme und Strom. Die Anlage ist bald 25 Jahre alt. Ein Ersatz solcher Anlagen dauert bis zu zehn Jahre und ist mit grossen Investitionen verbunden. Der Verband will die Zukunftsplanung darum frühzeitig in Angriff nehmen. Dabei werden auch Szenarien geprüft, die eine Lieferung zusätzlicher Energie an die Industrie im Thurtal vorsehen.

Medienmitteilung vom 10. Januar 2020

Fragen und Antworten

Wer hat wann den Entscheid für eine umfassende Erneuerung der Anlage gefällt?

Geschäftsleitung und Verwaltungsrat des Verbands KVA Thurgau haben die «Vision 2050» Ende 2019 der Delegiertenversammlung vorgelegt, welche das Vorgehen für eine Auslegeordnung der Zukunftsoptionen einstimmig gutgeheissen hat. Die Delegiertenversammlung umfasst insgesamt 67 Vertreter/innen aus 70 Gemeinden mit total 234'240 Einwohnerinnen und Einwohnern. Dies entspricht rund 86% der Thurgauer Bevölkerung. Im Verwaltungsrat sind zudem der Kanton und die Stadt Weinfelden vertreten. Das Vorgehen ist politisch und geografisch somit ausserordentlich breit abgestützt.

Die KVA soll zum «Energy Hub», zur Energiezentrale werden. Ist das nicht ein wenig hoch gegriffen?

Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sind von dieser langfristigen Strategie überzeugt. In Zukunft werden KVA nicht nur Wärme und Dampf liefern, sondern je nach Bedarf auch Strom produzieren – als Band- oder auch als Regelenergie –, verschiedene Energieträger koppeln oder sogar Wasserstoff und erneuerbares Erdgas herstellen. Diese Themen sind – wie auch Recycling bzw. Kreislaufwirtschaft – hochaktuell. 

Die KVA hat versprochen, dass die für die Bevölkerung sinnvollste Variante realisiert werden soll. Wo und wie kann sich die Öffentlichkeit ins Projekt einbringen?

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung haben einen Richtungsentscheid gefällt, welcher – wie der Name sagt – die Richtung vorgibt, in welche das Projekt nun weiterentwickelt wird. Noch ist aber längst nicht alles in Stein gemeisselt. Für Ideen zur Nutzung freiwerdender Flächen sind die Verantwortlichen beispielsweise offen. Im Rahmen des Studienauftrags zur Architektur des Ersatzbaus wird die Öffentlichkeit zudem Gelegenheit haben, sich zu den Vorschlägen zu äussern. Die Standortgemeinde wird in der Jury vertreten sein.

Von welchem Zeithorizont ist man bei der Analyse der verschiedenen Varianten für die neue KVA ausgegangen?

Die Anlage, die man jetzt zu planen beginnt, wird ca. zwischen 2030 und 2070 in Betrieb sein. Das bedeutet, dass 2060 der nächste Erneuerungsschritt eingeläutet wird. Es war den Verantwortlichkeiten wichtig, dies in der Bewertung der Varianten zu berücksichtigen: Man will die Flexibilität, die man jetzt hat, für den nächsten Erneuerungsschritt bewahren (z.B. durch eine intelligente und kompakte Belegung der zur Verfügung stehenden Flächen), und keine «Probleme» für künftige Erweiterungsschritte schaffen.

Die jetzige Anlage hat einen direkten Bahnanschluss. Das ist bei einer neuen Anlage südlich davon doch nicht mehr gewährleistet?

Am Grundsatz, dass die Abfälle möglichst ökologisch zur KVA transportiert werden, wird sich nichts ändern. Dies gilt auch für die Abfälle aus Deutschland. Für die Feinverteilung auf dem Areal werden die Abfälle heute bereits umgeladen. Auch daran wird sich grundsätzlich nichts ändern. Die weitere Projektierung wird zeigen, ob alternative Transportmöglichkeiten für die Feinverteilung auf dem Areal bestehen.

Hat die KVA genügend finanzielle Mittel für solch einen «grossen Wurf»?

Ja. Der Verband steht finanziell solide da. Die heutige Anlage ist abgeschrieben. Die Rückstellungen für die nächste Anlagegeneration sind im Aufbau. Der frühzeitige Ersatz der KVA mit dem Ziel, die Chance auf zusätzlichen Energieabsatz nutzen zu können, bedingt aber, dass mit den zur Verfügung stehenden Mitteln haushälterisch umgegangen wird.

Wie wird sich die gewählte Variante auf den Kehrichtpreis auswirken?

Es ist zu früh, dazu konkrete Aussagen machen zu können. Sicher ist, dass die gewählte Variante eines Ersatzbaus die Anforderung erfüllt, dass der Kehricht künftig zu einem vergleichbaren Preis wie in der heutigen Anlage verwertet werden kann. Die KVA hat in der Vergangenheit stets betont, dass die Kehrichtentsorgung mit der neuen Anlage für die Bürgerinnen und Bürger nicht teurer werden soll.

Die KVA begründet ihre Pläne u.a. damit, dass die Abfallmengen steigen und die Kapazitäten der heutigen Anlage künftig nicht mehr reichen werden. Wie kommt die KVA zu dieser Prognose?

Der sogenannte «Bunker» (Anlageteil, in welchem die Abfälle vor der Verbrennung gelagert werden) stösst bereits heute regelmässig an seine Kapazitätsgrenzen. Zudem läuft die Anlage regelmässig im Überlastbereich, wodurch ihre Belastung und entsprechend auch das Risiko von ungeplanten Unterbrüchen steigen. Berechnungen zeigen, dass die Abfallmengen aufgrund des Wachstums von Bevölkerung und Wirtschaft im Thurgau in Zukunft weiter zunehmen werden. Die Kapazität der Anlage reicht – mit oder ohne Abfälle aus dem benachbarten Ausland – früher oder später also nicht mehr aus, weshalb die sorgfältige Planung der Zukunft bereits jetzt beginnen muss.

Die neue Anlage soll dereinst eine Kapazität von 224'000 Tonnen pro Jahr haben. Wie kommt die KVA auf diese Zahl?

Sie setzt sich vereinfacht gesagt aus 3 Elementen zusammen: Erstens den für 2050 prognostizierten Thurgauer Abfällen. Zweitens den notwendigen Reserven. Drittens den mit den heutigen Mengen vergleichbaren Abfällen aus dem Grossraum Konstanz. Bevölkerung und Wirtschaft des Thurgaus wachsen. Die Nachfrage nach klimafreundlicher Wärme nimmt ebenfalls zu. Treiber des Wachstums ist also der Thurgau. Hier hat die KVA Entsorgungspflicht. Abgesehen von der eingerechneten Bevölkerungszunahme im Raum Konstanz wurden keine zusätzlichen Abfallströme aus dem Ausland eingerechnet.

Wird die neue Anlage weniger oder weniger schädliche Schadstoffe ausstossen?

Die KVA in Weinfelden filtert mittels Rauchgasreinigung einen Grossteil der Schadstoffe heraus. Die Schweizer Grenzwerte, welche zu den weltweit strengsten gehören, hält die Anlage jederzeit ein. Sie unterschreitet sie teilweise sogar deutlich. Es kann davon ausgegangen werden, dass die neue, moderne Anlage die Rauchgase noch effizienter filtern wird. Eine neue Anlage bietet zudem den Vorteil, dass auch bei der Rauchgasreinigung mehr Wärme zurückgewonnen werden kann.

Die KVA sagt, dass im Thurgau eine grosse Nachfrage nach CO₂-neutraler Energie besteht. Gibt es denn konkrete Anfragen, Absichtserklärungen oder sogar Verträge?

Ja, es gibt Anfragen seitens Industrie. Auch die KVA selbst war bereits aktiv und hat mit potentiellen Partnern das Gespräch gesucht. Das Interesse an CO2-neutraler Energie aus der KVA ist vorhanden.