Schritt für Schritt in eine klimafreundliche Zukunft

Worum es geht

Die KVA in Weinfelden verwertet seit 24 Jahren die Abfälle des Thurgaus und des benachbarten Auslands – Tag für Tag, rund um die Uhr. KVA müssen nach 35 bis 40 Jahren umfassend erneuert werden. Der Verband KVA Thurgau hat deshalb frühzeitig begonnen, die Zukunft der Anlage in Weinfelden zu planen. Dabei soll auch die Versorgung der regionalen Wirtschaft mit klimafreundlicher Energie ausgebaut werden.

Ersatzbau oder Erneuerung der bestehenden Anlage?

In einem ersten Schritt haben sich die Verantwortlichen mit der Frage beschäftigt, ob die heutige KVA erneuert oder direkt daneben ein Ersatzbau erstellt werden soll. Beim Abwägen aller Vor- und Nachteile hat ein Ersatzbau deutlich besser abgeschnitten. Erstens wäre eine Erneuerung im laufenden Betrieb komplizierter, zeitraubender und teurer. Zweitens liesse sich ein Ausbau der Anlage zu einem regionalen «Energiehub» mit den bestehenden Strukturen nur schwierig realisieren.

Nutzung des direkt angrenzenden Areals

Der Ersatzbau soll direkt neben der heutigen KVA erstellt werden. Das Areal hat zahlreiche Vorteile: Es gehört dem Verband, seine Nutzung zur Abfallverwertung ist zonenkonform, es ist durch den eigenen Bahnanschluss ideal erreichbar und liegt in der Nähe von industriellen Wärmeabnehmern. Nach Inbetriebnahme des Ersatzbaus soll die heutige Anlage zumindest teilweise zurückgebaut werden. Das bietet die Chance, auf den frei werdenden Flächen alternative Nutzungen zu realisieren. Die Kapazität der künftigen Anlage wird erst in einem späteren Planungsschritt festgelegt.

Verdoppelung der Naturflächen geplant

Dort, wo der Ersatzbau geplant ist, befinden sich heute Biotope, in denen Amphibien laichen. Als Ersatz sollen südlich der KVA zwei insgesamt mehr als doppelt so grosse Flächen mit hochwertigen Lebensräumen geschaffen werden, welche die bestehenden Naturflächen verbinden. Die geplanten Massnahmen sollen im Verlauf der nächsten zwei Jahre umgesetzt werden.

Ein «Energiehub» für Wirtschaft und Klima

Die Nutzung von Abwärme – zum Beispiel aus KVA – ist ein Standbein der Energiestrategie 2050 des Bundes. Die bei der Verbrennung der Abfälle anfallende Menge an CO₂-neutraler Energie ist beträchtlich, und in der Wirtschaft steigt der Bedarf nach nachhaltigen Versorgungslösungen. Die KVA in Weinfelden ist hier ideal positioniert. 2019 hat sie ihren Kunden 236 GWh CO₂-neutrale Energie geliefert. Dabei ist die KVA auch die grösste Stromproduzentin im Kanton Thurgau: Sie beliefert über 10'000 Haushalte mit Thurgauer Naturstrom. Im Kern der Zukunftspläne für die KVA steht der Wille des Verbandes, die Versorgung der regionalen Wirtschaft mit klimafreundlicher Energie weiter auszubauen.

Die nächsten Schritte

Mit dem Richtungsentscheid für einen Ersatzbau haben Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der KVA im Mai 2020 eine erste wichtige Weiche gestellt. Nun werden die Pläne verschiedenen Anspruchsgruppen aus Politik, Verbänden und Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ergebnisse dieser Gespräche fliessen in die Projektentwicklung ein. In weiteren Planungsschritten wird die Frage der Kapazität der neuen KVA geklärt, ein Vorprojekt ausgearbeitet und eine erste Kostenschätzung erstellt.

Bis Ende 2020Abschluss des Vorprojekts inkl. Kostenschätzung
2022Die Delegierten der KVA entscheiden über die Mittel für das Bauprojekt
DanachBaubewilligungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfung, Bau
2030Betriebsaufnahme der neuen Anlage
DanachRückbau der bisherigen Anlage

Aktuelle News

Hier finden Sie regelmässig Neuigkeiten rund um die Zukunft der Anlage in Weinfelden.

EINE INVESTITION FÜR KLIMA UND REGION

2. Juli 2020

Die Verantwortlichen des Verbandes wollen die KVA Weinfelden durch einen Ersatzbau am selben Standort ersetzen. Die Lieferung klimafreundlicher Energie an die regionale Wirtschaft soll ausgebaut werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten finden Sie hier im Interview mit Peter Steiner.

Augenblick-Artikel Juli 2020

Erste Weichen für die Zukunft der KVA gestellt

2. Juli 2020

Der Verband KVA Thurgau plant den Ersatz der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Weinfelden. Die Lieferung klimafreundlicher Energie an die regionale Wirtschaft soll ausgebaut werden. Nach einem umfassenden Evaluationsprozess kommen die Verantwortlichen zum Schluss, dass ein Ersatzbau südlich der heutigen Anlage deren Erneuerung vorzuziehen ist. Die Pläne werden nun verschiedenen Anspruchsgruppen vorgestellt. Die Kapazität der künftigen Anlage wird erst in einem späteren Planungsschritt festgelegt.

Medienmitteilung vom 2. Juli 2020

Der Verband KVA Thurgau plant für die Zukunft

10. Januar 2020

Die KVA ist der grösste Energieproduzent im Kanton Thurgau. Sie erzeugt CO₂-neutrale Wärme und Strom. Die Anlage ist bald 25 Jahre alt. Ein Ersatz solcher Anlagen dauert bis zu zehn Jahre und ist mit grossen Investitionen verbunden. Der Verband will die Zukunftsplanung darum frühzeitig in Angriff nehmen. Dabei werden auch Szenarien geprüft, die eine Lieferung zusätzlicher Energie an die Industrie im Thurtal vorsehen.

Medienmitteilung vom 10. Januar 2020

Fragen und Antworten

Wer hat wann den Entscheid für eine umfassende Erneuerung der Anlage gefällt?

Geschäftsleitung und Verwaltungsrat des Verbands KVA Thurgau haben die «Vision 2050» Ende 2019 der Delegiertenversammlung vorgelegt, welche das Vorgehen für eine Auslegeordnung der Zukunftsoptionen einstimmig gutgeheissen hat. Die Delegiertenversammlung umfasst insgesamt 67 Vertreter/innen aus 70 Gemeinden mit total 234'240 Einwohnerinnen und Einwohnern. Dies entspricht rund 86% der Thurgauer Bevölkerung. Im Verwaltungsrat sind zudem der Kanton und die Stadt Weinfelden vertreten. Das Vorgehen ist politisch und geografisch somit ausserordentlich breit abgestützt.

Die KVA soll zum «Energiehub», zum Kompetenzzentrum werden. Ist das nicht ein wenig hoch gegriffen?

Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sind von dieser langfristigen Strategie überzeugt. In Zukunft werden KVA nicht nur Wärme und Dampf liefern, sondern je nach Bedarf auch Strom produzieren – als Band- oder auch als Regelenergie – oder vielleicht sogar Wasserstoff herstellen. Diese Themen sind – wie auch Recycling bzw. Kreislaufwirtschaft – hochaktuell. Der Verband möchte sein Know-how deshalb verstärkt mit der Öffentlichkeit, mit Schulen oder Forschungseinrichtungen teilen und die Anlage beispielsweise auch für die Entwicklung neuer Technologien zur Verfügung stellen.

Die KVA hat versprochen, dass die für die Bevölkerung sinnvollste Variante realisiert werden soll. Wo und wie kann sich die Öffentlichkeit ins Projekt einbringen?

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung haben einen Richtungsentscheid gefällt, welcher – wie der Name sagt – die Richtung vorgibt, in welche das Projekt nun weiterentwickelt wird. Noch ist aber längst nicht alles in Stein gemeisselt. Für Ideen zur Nutzung freiwerdender Flächen sind die Verantwortlichen beispielsweise offen. Dazu werden nun Gespräche mit verschiedenen Anspruchsgruppen aus Politik, Verbänden und Öffentlichkeit geführt.

Von welchem Zeithorizont ist man bei der Analyse der verschiedenen Varianten ausgegangen?

Die Anlage, die man jetzt zu planen beginnt, wird ca. zwischen 2030 und 2070 in Betrieb sein. Das bedeutet, dass 2060 der nächste Erneuerungsschritt eingeläutet wird. Es war den Verantwortlichkeiten wichtig, dies in der Bewertung der Varianten zu berücksichtigen: Man will die Flexibilität, die man jetzt hat, für den nächsten Erneuerungsschritt bewahren (z.B. durch eine intelligente und kompakte Belegung der zur Verfügung stehenden Flächen), und keine «Probleme» für künftige Erweiterungsschritte schaffen.

Die jetzige Anlage hat einen direkten Bahnanschluss. Das ist bei einer neuen Anlage südlich davon doch nicht mehr gewährleistet?

Am Grundsatz, dass die Abfälle möglichst ökologisch zur KVA transportiert werden, wird sich nichts ändern. Dies gilt auch für die Abfälle aus Deutschland. Für die Feinverteilung auf dem Areal werden die Abfälle heute bereits umgeladen. Auch daran wird sich grundsätzlich nichts ändern. Die weitere Projektierung wird zeigen, ob alternative Transportmöglichkeiten für die Feinverteilung auf dem Areal bestehen.

Hat die KVA genügend finanzielle Mittel für solch einen «grossen Wurf»?

Ja. Der Verband steht finanziell solide da. Die heutige Anlage ist abgeschrieben. Die Rückstellungen für die nächste Anlagegeneration sind im Aufbau. Der frühzeitige Ersatz der KVA mit dem Ziel, die Chance auf zusätzlichen Energieabsatz nutzen zu können, bedingt aber, dass mit den zur Verfügung stehenden Mitteln haushälterisch umgegangen wird.

Wie wird sich die gewählte Variante auf den Kehrichtpreis auswirken?

Es ist zu früh, dazu konkrete Aussagen machen zu können. Sicher ist, dass die gewählte Variante eines Ersatzbaus die Anforderung erfüllt, dass der Kehricht künftig zu einem vergleichbaren Preis wie in der heutigen Anlage verwertet werden kann. Die KVA hat in der Vergangenheit stets betont, dass die Kehrichtentsorgung mit der neuen Anlage für die Bürgerinnen und Bürger nicht teurer werden soll.

Die KVA begründet ihre Pläne u.a. damit, dass die Abfallmengen steigen und die Kapazitäten der heutigen Anlage künftig nicht mehr reichen werden. Wie kommt die KVA zu dieser Prognose?

Der sogenannte «Bunker» (Anlageteil, in welchem die Abfälle vor der Verbrennung gelagert werden) stösst bereits heute regelmässig an seine Kapazitätsgrenzen. Zudem läuft die Anlage regelmässig im Überlastbereich, wodurch ihre Belastung und entsprechend auch das Risiko von ungeplanten Unterbrüchen steigen. Berechnungen zeigen, dass die Abfallmengen aufgrund des Wachstums von Bevölkerung und Wirtschaft im Thurgau in Zukunft weiter zunehmen werden. Die Kapazität der Anlage reicht – mit oder ohne Abfälle aus dem benachbarten Ausland – früher oder später also nicht mehr aus, weshalb die sorgfältige Planung der Zukunft bereits jetzt beginnen muss.

Stimmt es, dass die KVA in der neuen Anlage massiv mehr Abfälle verwerten will, und dazu zusätzliche Abfälle aus dem Ausland importieren will?

Nein. Es ist noch offen, welche Kapazität die neue Anlage haben wird. Die Zahlen, die bereits herumgeboten werden, sind deshalb schlicht falsch. Die Kapazität wird erst bei der Ausarbeitung des Vorprojekts bestimmt. Sie hängt vom prognostizierten Abfallaufkommen, der geforderten Reservekapazität und dem künftigen Energieabsatz ab. Sicher ist, dass die neue KVA eine grössere Kapazität haben wird als die bestehende Anlage. Erstens ist diese heute bereits zu klein, und zweitens nehmen die Abfallmengen aufgrund des Wachstums von Bevölkerung und Wirtschaft schweizweit zu.

Wird die neue Anlage weniger oder weniger schädliche Schadstoffe ausstossen?

Die KVA in Weinfelden filtert mittels Rauchgasreinigung einen Grossteil der Schadstoffe heraus. Die Schweizer Grenzwerte, welche zu den weltweit strengsten gehören, hält die Anlage jederzeit ein. Sie unterschreitet sie teilweise sogar deutlich. Es kann davon ausgegangen werden, dass die neue, moderne Anlage die Rauchgase noch effizienter filtern wird. Eine neue Anlage bietet zudem den Vorteil, dass auch bei der Rauchgasreinigung mehr Wärme zurückgewonnen werden kann.

Die KVA sagt, dass im Thurgau eine grosse Nachfrage nach CO₂-neutraler Energie besteht. Gibt es denn konkrete Anfragen, Absichtserklärungen oder sogar Verträge?

Ja, es gibt Anfragen seitens Industrie. Auch die KVA selbst war bereits aktiv und hat mit potentiellen Partnern das Gespräch gesucht. Das Interesse an CO₂-neutraler Energie aus der KVA ist vorhanden. Im Rahmen einer Konzeptstudie wird das Vorhaben technisch, finanziell und organisatorisch geprüft. Ziel ist es, bis Ende 2020 die Grundlagen für einen Vorentscheid seitens KVA und der Partner aus der Industrie zu erarbeiten.